Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) will ihre rund 3.000 Kirchen mit offenen WLAN-Hotspots ausstatten. Den Anfang machen in den kommenden Wochen die ersten 200 bis 300 Gemeinden. Spätestens bis zum Evangelischen Kirchentag, der im Mai 2017 in Berlin stattfindet, sollen alle Kirchen in Berlin und Potsdam registrierungs- und anmeldungsfreie Zugänge anbieten. Bis zu 100.000 Euro investiert die Landeskirche in den Aufbau der offenen WLAN-Infrastruktur. Vereinzelt gab es bereits in der Vergangenheit lokale Zusammenarbeiten von Freifunk-Initiativen mit Kirchengemeinden. Dass sich eine gesamte Landeskirche für offene Netze einsetzt, ist jedoch ein Novum.
Auch wenn die Initiative mit dem Namen „Godspot“ klar als kirchliches Angebot positioniert wird, sollen die offenen Netze nicht nur Kirchgängern zur Verfügung stehen, sondern auch die Umgebung mit abdecken. Das Angebot richtet sich laut dem projektverantwortlichen IT-Leiter der Landeskirche, Fabian Kraetschmer, explizit auch an Menschen außerhalb der Kirche. In Berlin sollen zum Beispiel von der Friedrichstadtkirche aus auch der komplette Gendarmenmarkt und von der Gedächtniskirche aus der Breitscheidplatz mitversorgt werden.
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wirbt zugleich explizit mit der Freiheit von kommerzieller Werbung und mit Datensparsamkeit. Persönliche Informationen sollen nicht gespeichert und verwertet werden. „Kirchen und Klöster sind seit Jahrhunderten Räume der Kommunikation und der Vertraulichkeit“, so Kraetschmer. An diese Tradition wolle man anknüpfen. Man wolle jedoch nicht so tun, als sei das Projekt komplett neutral: Es gehe auch darum, die Kirche ins digitale Zeitalter zu holen und zur Kommunikation einzuladen. Startseite nach dem Login an einem „Godspot“ ist eine lokale Landingpage, die die Gemeinde vorstellt, die den Zugang anbietet.
Laut Kraetschmer habe man aus diesem Grund für eine Absicherung gegen Rechtsunsicherheiten durch die WLAN-Störerhaftung auch nicht mit Freifunk kooperieren können, weil diese sich der Neutralität verpflichtet fühlen. Weil man aus Datenschutzgründen aber auch nicht mit den großen Telkos zusammenarbeiten wollte, erfolgt die Umgehung der Störerhaftung nun durch zwei spezialisierte Berliner Unternehmen, die juristisch als Provider der WLANs auftreten.
Update zum Stichwort „offen“: In einem Interview auf Spiegel Online sagt Kraetschmer, es sei möglich, dass die Hotspots zu Gottesdienst-Zeiten gesperrt und in Ausnahmefällen auch Jugendschutzfilter eingesetzt werden:
Wir haben in der Kirche oft mit Minderjährigen zu tun. Wir können uns vorstellen, in begründeten Fällen und an bestimmten Standorten einen Jugendfilter einzusetzen, etwa in unseren Schulen und in Jugendbildungsstätten. Aber in Kirchen kann ich mir das nicht vorstellen.
Hinweis: Der Autor ist seit seiner Jugend in unterschiedlichen Zusammenhängen der Evangelischen Jugend ehrenamtlich aktiv. Heute nimmt er als „Jugenddelegierter“ an den jährlichen Tagungen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) teil und berät den Jugendverband Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. ehrenamtlich zum Thema jugendgerechte Netzpolitik. Er ist als in Berlin lebender Protestant eines von etwa eine Millionen Mitgliedern der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), um die es in diesem Text geht, hat in dieser Kirche aber keine Funktion inne und kennt die Handelnden beim Projekt „Godspot“ nicht persönlich.
